Spain

Was von der Zukunft bleibt

Veröffentlicht am 12 / 10 / 11 | Kommentare / 0

Wie jede Hauptstadt im Multiversum hat Madrid eine eigene Fashion Week. Sie wird Cibeles genannt und so wie alle provinziellen Fashion Weeks, kommt und geht sie in einem Strudel von Reißzwecken, Spritz und betrunkenen Modestudenten, die auf Lackluster-Partys ein und ausgehen, in der Hoffnung, dass es ihnen einen Job verschafft, wenn sie die richtigen Leute vögeln und die richtigen Drogen nehmen, sobald ihre Treuhandfonds ausgelaufen sind.

Die baskische Designerin Ixone Elzo zeigte sich zum ersten mal in dieser Saison. Obwohl sie erst seit ein paar Jahren ernsthaft designt, vereinten ihre Kollektionen bislang ein starkes und lustiges Konzept. Ach, und falls du denkst ‚Ist es nicht das, was sie dir im ersten Jahr an der Modeschule beibringen‘, liegst du totrichtig, aber offensichtlich ist Spanien anders.

VICE: Du hast nur wenige Kollektionen, aber ich mag sie. Ich liebe die Shirts in Carne Fresca—Frisches Fleisch.

Ixone Elzo: Für mich ist Fleisch nichts anderes als ein Mittel, um ein Konzept mit starker sexueller Konnotation zu entwickeln. Ich präsentiere das Elend und die Schwäche der Menschheit, die sexuelle und intime Art. Wir sind umgeben von Sex, verstehst du? Wir sind Frischfleisch.

Die Drucke, die du in Restos del Futuro—zu Deutsch, was von der Zukunft bleibt—verwendet hast, sind erstaunlich. War es schwer, sie anzufertigen?

Wir haben Pflasterstreifen, Silikon, Tinte und Bleichmittel, Mosaikfliesen, Glasuren, sogar Kaffeesatz verwendet.

Ist es eine futuristische Kollektion?

Meine Kollektionen sind generell nicht über die Zukunft, sie handeln immer von der Gegenwart, was Sinn ergibt, wenn man betrachtet, dass die richtige Queller der Inspiration in der Realität liegt. Restos del Futuro ist bloß ein Wortspiel. Tatsächlich kommt die Zukunft nie, aber es gibt immer etwas, das von ihr bleibt—verfallende Gebäude, rostiges Metall und blätternde Farbe.

Was kannst du uns über deine neueste Kolletion, Truchas con Lentejas, erzählen—Forelle mit Linsen, das klingt verdammt widerlich.

Ich liebe diese Reaktion, das war meine Intention. Die Kollektion basiert auf der Idee von Stillleben, wie in der Kunst. Sie ist voll von hausgemachter Stickerei, wie Nadelspitze und bezieht sich auf die Kleidung, die du ihm Haus trägst, wie Pyjamas, Bademäntel, Schlappen, oder andere heimelige Sachen, wie Teppiche, Tischdecken und Einkaufstaschen.

Findest du, spanische Mode nimmt sich selber zu ernst?

Manchmal denke ich das. Ich finde, es wird allgemein zu wenig riskiert und es gibt zu wenig Widerspruch, um sich zu verändern und zu entwickeln.


PAUL GEDDIS