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PFW: BASKETBALL—SPORT DER MODEGÖTTER

Veröffentlicht am 11 / 10 / 11 | Kommentare / 0

Jean-Paul Lespagnard ist einer dieser verrückten Modedesigner, die am laufenden Band aus Belgien zu kommen scheinen. Er wurde bekannt, nachdem er beim Hyéres Festival gewann, wo seine Kollektion auf einem sich drehenden Model gezeigt wurde, von dem er erzählte, sie hätte zuvor in Brüssel Pommes verkauft und würde auf ihren Märchenprinzen warten. Für ihn war es ein Glücksfall, dass der Creative Director von Givenchy Riccardo Tisci mit in der Jury saß, wodurch sich Lespagnards Ruf, in den Kreisen des mit einer Schafsherde vergleichbaren Modevolks, von verrückt auf talentiert wandelte. Falls du noch nicht von ihm gehört hast, liegt das wahrscheinlich daran, dass er jede seiner komplett unterschiedlichen Kollektionen mit einer Präsentation oder Show unterlegt, die von einer solch unterschiedlichen und originellen Ästhetik beladen ist, dass die meisten Leute es einfach noch nicht geschafft haben, ihn einzuordnen. In einer Minute ist er der neue Jeremy Scott, in der nächsten ein italienischer Discofuturist mit Hang zu einer asiatischen Ästhetik und in der nächsten eine Art Henrik Vibskov für Damenbekleidung.

Jean-Paul meint, seine erste Kollektion, die er bei der Paris Fashion Week präsentiert hat, sei eine Mischung aus Frauenmode und der Ästhetik japanischen Trucks und seine Show vor einer Woche für die SS12 Kollektion war eine sogar noch absurdere Melange aus Basketball, dem christlichen Himmel und dem Anwesen von William Randolphs Hearst. Was zur Hölle ist da nur los?


VICE: Jean-Paul, was ist dieses Mal passiert?

JPL: Nun, es ist eine Kollektion über Basketball. Es hat mich interessiert, wie Basketballspieler auf dem Spielfeld andauernd nach Höherem streben, als würden sie nach dem Himmel greifen wollen. Ich habe auch an das Paradies gedacht, was mich auf Xanadu—die Burg in Citizen Kane—gebracht hat, die von der Burg von William Randolphs Hearst inspiriert war. In gewisser Weise sind Basketballspieler eine Art zeitgenössisches Äquivalent der A-Prominenz der 1920er Jahre. Diese wurde von William ja mittels seines Wohlstands, seines Glamours, seiner Berühmtheit und so weiter unterhalten.

Was genau hast du also gemacht?

Ich habe die klassische Trainingshose überarbeitet. Seltsamerweise erinnert mich ein Basketballspieler, der sein Tank Top in die Hose steckt auch an eine 1920 Flapper Silhouette, das hat also das Hearst-Ding weiter unterfüttert. Alles hatte damals diese sehr gerade Linie ... In der Kollektion finden sich aber auch eine Menge aufgemotzter High-Tech-Stoffe—das ist eins meiner Hobbys. Ich hab diese durchsichtige Hose entworfen, die du tagsüber über einer weißen Hose tragen kannst und nachts ziehst du die weiße aus und trägst die durchsichtige als ein Kleid. Ich steh total auf wandelbare Kleidung.

Warum tragen die Models Turnschuhe, die auf japanische Holzpodeste gebunden sind? Bist du auf eine gewisse Art und Weise ein Sadist?

Nein. Auf denen ist es tatsächlich recht einfach zu laufen und von vorne sehen die Models aus, als würden sie auf ihren Zehen stehen. Außerdem hat sie das für die Präsentation so groß gemacht, dass der Ring, wenn sie vor einem Basketballkorb stehen, wie eine Art Heiligenschein über ihren Köpfen zu schweben scheint. Das mag ich, und wieder ist es auf eine Art eine überladene Himmelfahrts-Metapher. Nicht, dass ich an Gott glaube, wohlgemerkt.

Warum bist du von Hummern besessen?

Ich habe wirklich keine Ahnung. Sie tauchen bei mir überall auf. Das ist beunruhigend.

Was sollten die Stapel von Stühlen darstellen?

Hast du bemerkt, dass es Stühle aus einer Schule sind? Ich wollte es unklar lassen, ob die Stühle es dir ermöglichen auf ihnen zu klettern, um den Korb zu erreichen oder, ob sie dir den Weg dort hin versperren. Die Stühle stellen meine Beziehung zu Bildung dar. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob ich nicht tatsächlich mehr gelernt habe, als ich die Schule verlassen habe und damals begann als Gogo-Tänzer zu arbeiten und meine eigenen Kostüme herzustellen.


Die von japanischen Trucks inspirierte Show


Jean-Paul und Freunde

Kannst du mir mehr von der Hyéres-Kollektion erzählen und von dem ganzen Zeug mit den Pommes und dem Mädchen, das davon träumt, ihren Märchenprinzen zu treffen?

Ja. Das war eine Kollektion über meine Träume, erfolgreich zu sein und über meine damalige Depression, auch wenn ich das zu dieser Zeit nicht zugegeben habe. Dieses Mädchen war bis zu einem gewissen Grad ich.

TEXT: VALERIA COSTA-K
SS12-F
OTOS: PAUL ROUSTEAU