New Dust ist voller Haar und Leder
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Als ich die Designerin Hayden Dunham das letzte Mal sah, traf ich sie in einem leeren Apartment an. Die Musik laut aufgedreht, allein vor sich hin tanzend. Sie wirkt wie eine ruhige, überlegte, wunderschöne Exzentrikerin. Sie dann so privat und selbstvergessen zu erwischen—das ist, als würde man Gazellen beim heimlichen Breakdancen ertappen.
Hayden fertigt Halsketten aus geschmolzenem Plastik, Leder, Menschenhaar, Metall und manchmal Seilen oder Wolle an. Ihre Kollektion nennt sich „New Dust“. Sie selbst beschreibt die Sachen als grotesk und verspielt—aber auch anders. Kucken wir mal, was sie noch zu sagen hat.

VICE: Woher bekommst du deine Materialien?
Hayden Dunham: Das Leder stammt aus dem Restehaufen meines Bruders, der ist Lederwestenhersteller in Texas. Die Jagd hat eine lange Tradition in meiner Familie und alle leben noch in Texas.
Wow. Was sieht es mit den Haaren aus?
Die kommen von dieser Frau, mit der ich in den letzten Jahre zusammengearbeitet habe. Sie wiederum bekommt die Haare von einem heiligen Ort in Indien.

Es fühlt sich so an, als würde sich da etwas von großer Bedeutung innerhalb der Entwürfe abspielen.
Viele meiner Halsketten werden wie Boloties getragen. Durch meine Arbeit damit konnte ich in den letzten Monaten Fragen über die Zukunft der Natur stellen—aber auch, wie diese Idee von Natur in der Vergangenheit aussah.
Ich wusste gar nicht, dass so viele Gefühle in Halsschmuck einfließen können.
Ich würde es als eine Art Nostalgie für eine imaginierte Vergangenheit beschreiben. Viele meiner Arbeiten drehen sich rund um das Thema Fetischisierung der Natur und unser Bestreben, die Konzepte von Tier und Mensch als unterschiedliche Wesen zu bewahren.
Die Sache mit dem Haar ist ein bisschen ... also, irgendwie ist es schön, aber irgendwie auch gruselig.
Über den Gebrauch von Haaren habe ich in letzter Zeit am häufigsten nachgedacht. Ich hab festgestellt, dass diese Entdeckung mich dazu ermutigt hat, den Kontext von Haar zu hinterfragen. Woher Haare kommen und woher die Emotionen der Menschen rühren, wenn sie Haare anfassen.

Du erschaffst Objekte, um die Verbindung mit der Natur zu untersuchen—was hast du dabei gelernt?
Zu Beginn des Projektes sah ich Haar als Machtmittel von Individuen, aufgrund seiner Fähigkeit, dem Träger physischen und emotionalen Schutz zu bieten, ihm Sicherheit und/ oder Sichtbarkeit zu geben. Wie nutzen wir unser Haar oder das von anderen als Schutz? Und als Schutz wovor? Das Element der Maskierung, so wie das Perücken möglich machen, spielt da natürlich eine Rolle: Durch Verändern des Haars kann man eine andere Identität aufbauen.
So wie die Typen mit modellierten Bärten oder Frauen mit ihren zauberhaften Fischgrätenzöpfen oder so.
Menschen nutzen Haar dazu, eine physische Präsenz zu manifestieren, die eine persönlichere/ intimere Wahrheit offenbart als ihr unmittelbares Erscheinungsbild. Ich bin von der performativen Natur des Haars weggekommen und habe mich eher mit der Frage beschäftigt, woher diese Gefühle und Bedürfnisse kommen.
Und, was denkst du?
Ich glaube, viele Leute äußern eine sehr starke Reaktion auf den Kontakt mit Haaren, sowohl negativ als auch positiv—besonders, wenn es nicht ihr eigenes ist. Mit Haaren auf den Köpfen fühlen Menschen sich wohl, aber sobald man die beiden trennt, wird Haar grotesk und unbehaglich.
Da hast du definitiv recht.
Und dennoch ist es für viele natürlich und bequem, Tieren die Haut abzuziehen oder Vögeln die Federn auszurupfen, sie dann in Kissen zu stopfen und darauf zu schlafen. Andere Arten scheinen den Menschen gegenüber eine ähnliche Einstellung zu haben: Vögel nutzen Menschenhaar für ihren Nestbau und Menschen nutzen Federn für ihre Betten. Auch wenn der Nutzen nicht auf beidseitigem Einverständnis beruht, erscheinen sie doch einvernehmlich.
Die Kettenkollektion von Hayden Dunham ist bei Colette in Paris und JF & Son in NYC erhältlich.
LIZ ARMSTRONG


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