GWAR

Veröffentlicht am 27 / 8 / 10 | Kommentare / 1

Schon seit 25 Jahren sind GWAR Konzerte bekannt für ihre abscheulichen Kostüme, Massaker auf der Bühne, vorgetäuschte Enthauptungen und Figuren wie Jitler (eine schizophrener Zwitter aus Jesus und Hitler, der grünen Schleim über das Publikum sprüht). Alle fünf Bandmitglieder haben ein zweites Ich auf der Bühne (mit Namen wie Balsac the Jaws of Death und Beefcake the Mighty) und tragen Kostüme aus Gummi, die im Grunde genommen aussehen wie Gummi-Orks oder als wären sie aus World of Warcraft ausgebrochen.


Vice: Also, was ist passiert? Habt ihr euch eines Tages einfach entschieden, dass sich als Monster verkleiden und Kunstblut herumspritzen eure Bestimmung ist?
Dave Brockie: Ha, naja, wir machen das jetzt seit 25 Jahren und das ganze hat eigentlich als ein schlechter Scherz angefangen. Einer von unseren Kumpels hat an einem Film namens Scumdogs of the Universe gearbeitet und hatte dafür auch die Kostüme gemacht, andere von uns haben in Punk Rock-Bands oder so gespielt, also haben wir die beiden Sachen einfach kombiniert. Seither haben wir eine komplette Geschichte um GWAR erschaffen, wie wir aus dem All auf die Erde verbannt wurden, wo wir dann wilden Sex mit den Affen hatten und die Menschheit geschaffen haben, bis hin zu unserem neusten Album Lust in Space, wo GWAR zurück ins Weltall fliegen um denen dort in die Ärsche zu treten. Unsere kreativen Meetings funktionieren recht einfach: Wir entscheiden uns für die Ideen, über die wir am meisten ablachen.

Wer hatte die Idee für die Charaktere und die Kostüme?
Jeder aus der Band ist ständig dabei, seinen eigenen Charakter zu verfeinern—immer und immer wieder—und das Gleiche mit den Kostümen. Wir müssen sie selber machen. Niemand sonst kann sie genau so machen, wie wir sie haben wollen. Nimm zum Beispiel ein Kostüm für einen Film: die Dinger müssen nur ein paar Mal am Set halten, während unsere Kostüme Nacht für Nacht für Nacht durchhalten müssen – und unsere Show ist ziemlich brutal.

Kein Spaß. Aber wie macht man diese Kostüme?
Sie sind hauptsächlich aus Sport-Pads und flüssigem Gummi. Wir machen die Formen aus Lehm, darin werden sie dann aufgegossen, dann wird alles zusammen gesetzt, der letzte Feinschliff wird gemacht, so dass sie hübsch aussehen und dann gehen wir auf die Bühne um denen da draußen in den Arsch zu treten.

Ich kann mir vorstellen, dass solch ein Kostüm recht schwer ist, dazu kommen die Lichter auf der Bühne und überfüllte Konzertsäle – scheint ein ziemlich hartes Pflaster zu sein.
Naja, mein Kostüm wiegt so ungefähr 20-30 Kilo und es wird während der Show auch noch schwerer, wenn es anfängt den Schweiß aufzusaugen – es ist verdammt heiß unter den Dingern. Ungefähr vergleichbar wie sich in seiner kompletten Football-Ausrüstung auf ein Spiel vorzubereiten.

Neben den verrückten Kostümen in euren Shows, gebt ihr auch vor, gewisse Leute zu töten, aufzuspießen oder zu foltern.
Mein Vater hält überhaupt nichts davon, aber alle anderen lieben es. Man muss dazu sagen: Mein Vater ist schon sehr alt.

Würdest du am liebsten jeden Tag in deinem Kostüm und der Rolle deines Charakters verbringen?
Niemals. Ohne Kostüme nennen wir uns RAWG. Dann spielen wir eher Mainstream-Sachen und auch nicht ganz so heavy. Im wirklichen Leben sind wir alle ziemlich normale und langweilige Leute. Ich meine, das Leben mit der Band ist durchgeknallt genug, also ist es automatisch so, dass man ruhiger wird, wenn man die Chance dazu hat. Manche Leute kommen immer noch nicht damit klar, dass ich nur auf der Bühne der grausame Oderus Urugnus bin. Sogar Fox News wollte ein Interview mit Oderus für's Fernsehen.

Ihr müsst ja Kunstblut echt lieben.
Es geht sehr einfach wieder aus den Klamotten raus – es ist nur Lebensmittelfarbe – aber bei Haaren wird es schwieriger. Nach der Tour sind wir komplett Pink.
 

STEFANIE SCHELLWIES