Fettige Burger und Oversized-Shirts

Sonderbarerweise wird Roberto Piqueras in Spanien von Burger King gesponsert. Die Burgerleute stehen so auf ihn, dass sie seine Miete zahlen und seine nächste Kollektion unterstützen, damit sie bei der London Fashion Week gezeigt wird. Natürlich mussten wir herausfinden, was für ein Modedesigner von einer Fast Food-Kette unterstützt wird.
VICE: Warum Mode, Roberto?
Roberto Piqueras: An Mode gefällt mir, dass sie dir eine Möglichkeit bietet, wirklich du selbst zu sein. Zur gleichen Zeit kannst du Mode aber auch benutzen, um Persönlichkeiten zu verändern. Es ist fast, als würde dir Mode jeden Tag erlauben, ein Schauspieler zu sein. Von Barcelona nach Madrid zu ziehen, hat auch geholfen, weil Madrid ziemlich bürgerlich, das Nachtleben aber auch gleichzeitig sehr aufregend sein kann.
Aufregend? Wie?
Also, vielleicht hast du von La Movida Madrileña gehört? Nach Franco ist Madrid irgendwie explodiert. Die ganze Stadt war voller Farben und guter Musik und die Leute wollten mit allem, was neu und modern war, prahlen. Als ich nach Madrid zog, hatte die rechtsgerichtete Partei gerade die Wahlen verloren und es wieder ein Gefühl des Wandels in der Luft. Es gab viel mehr Farbe, sexuelle Befreiung und Schwulenrechte. Ich denke, das kam irgendwie alles zusammen, als in Spanien 2007 der Nu Rave aufkam. Auf einmal hast du Typen mit gefärbten Haaren und Leggings gesehen.
Warum diese Fixierung auf Oversized-T-Shirts?
Der Unisex-Look ist auf der einen Seite praktisch, weil die Herstellung von bloß einer Größe alles einfacher macht. Außerdem steh ich auf Oversized-Sachen, weil ich ein übergewichtiges Kind war. Damals war ich besessen davon, XXXXL-T-Shirts zu finden, was in Spanien wirklich schwer war. Diese Obsession ist irgendwie hängengeblieben.
Ich habe gehört, dass dich Burger King unterstützt, damit du in London leben kannst? Was zum Teufel?? Versucht Burger King, in Spanien hip zu sein, oder was?
Ja, in Spanen arbeiten sie während der Madrid Fashion Week mit jungen Modedesignern zusammen. Es ist nicht wirklich „cool", aber Burger King versucht es. Ich schreibe einen Blog über meinen Alltag und wie es ist, als Designer in London zu leben. Es muss nicht um Burger King gehen, aber der Blog trägt ein Logo. Ich wollte schon immer in London wohnen, aber es war zu teuer, also danke Burger King. Ich passe besser nach London. Alis Pelleschi, der Fotograf von diesem einen Shoot, hat eine ähnliche Ästhetik und Läden wie Primitive London verstehen, dass Mode nicht glamourös sein muss. London ist ein viel besserer Ort, um seine Arbeit zu zeigen als Barcelona.
Warum ist London besser als Spanien?
Ich erinnere mich, als ich 12 war und mit blauen Haaren in die Schule kam und ziemlich verrückt aussah, weil ich so aussehen wollte wie jemand von MTV. Die anderen Kinder haben das nicht verstanden, weil ihre Welt total konservativ war. Ich habe mich gefühlt, als wäre ich der einzige, der i-D liest und Popvideos liebt. Anders auszusehen, ist in Spanien keine gute Sache, weil das bedeutet, dass du mit etwas oder jemandem im Wettbewerb stehst, aber ich denke sowieso, dass das Leben ein Rennen gegen dich selber ist.
Hier ein Shoot mit Robertos Sachen, fotografiert von Alis Pelleschi.
TEXT: VERONICA SO
FOTOS: ALIS PELLESCHI
STYLING: ROBERTO PIQUERAS
MODELS: SADIE PHELPS & ISAAC VON CRIM3S


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