Blood Of The Young
Das Leben ist großartig, wenn du eine Menge heißer Freunde hast, die es lieben zu feiern, sich auszuziehen, zu skaten, Graffitis zu schreiben und tolle Musik zu hören. Es sieht aus, als würden die Typen, die Blood Of The Young betreiben, so jeden einzelnen Tag verbringen, genau so, wie verdammt gut darin zu sein, andere Fotografen zu finden, die genau das selbe Ding machen. Die in Kanada lebenden Dimitri Karakostas und T. Reilly Hodgson haben die letzten zweieinhalb Jahre damit verbracht, an Blood Of The Young zu arbeiten, was meist mit Fotos von „guten Kids, die Böses machen“ vollgepackt ist und dir immer das Gefühl geben, als wäre dein Leben super langweilig, verglichen mit dem wilden Zeug, das die machen. Ich will nicht zu tief in ihre Arschlöcher kriechen, aber sie machen auch noch erstaunliche T-Shirts. Beide entwerfen die Blood Of The Young-Shirts und T. Reilly macht auch noch sein eigenes Ding unter dem Namen No Fun Press.
VICE: Hey ihr, was ist die Geschichte hinter Blood Of The Young?
Dimitri Karakostas: Nun, Blood of The Young begann im Winter 2008. Reilly und ich haben viel eigene Sachen selbst herausgegeben und waren die letzte zehn Jahre auf dem DIY-Pfad unterwegs. Wir wollten dann eine Platform haben, auf der wir mit den Künstlern, die wir achten und bewundern, zusammenarbeiten. Früher gab es hier wirklich keine Zine-Szene—ein paar Comics und Ähnliches in Toronto—aber das war nicht so zugänglich wie heute. Es ist komisch, was sich in ein oder zwei Jahre verändern kann.
T. Reilly Hodgson: Ja, Dimitri und ich kannten uns schon vorher, weil wir beide zu den gleichen Hardcore-Shows in den Vorstädten von Toronto gingen, aber als wir angefangen haben, lebte ich in Vancouver, studierte Kunst und hasste es. Nachdem wir festgestellt haben, dass wir beide die selbe Art von Arbeit machen, ergab es für uns Sinn, unsere Köpfe zusammen zu stecken. Ich zog nach Hause zurück und wie es Dimitri gesagt hat, gibt es keine richtige Zine-Szene hier, also lief es die ersten paar Jahre ziemlich ruhig und wir haben versucht, an dem zu arbeiten, was wir gerne sehen würden.
Was für eine Art von Arbeit sucht ihr, wenn ihr eine Ausgabe zusammenstellt?
DK: Es gab nie eine eindeutige ästhetische Basis in dem, was wir kuratieren, aber wir finden viele Fotografen interessant, weil sie mit Skateboarden und Graffiti zu tun haben. Wir bekommen auch eine Menge digitaler Fotos, die sofort in den ‚Es tut uns leid, vielleicht nächstes mal‘-Ordner gehen, aber das gleiche kann auch bei Film passieren. Ich denke, wir suchen nach dieser ‚ICH HABE KEINE ANDERE WAHL, ICH MUSS DAS TUN‘-Beharrlichkeit, die sich in der Arbeit mancher Fotografen zeigt.
Haben sich eure Geschmäcker weiterentwickelt oder verändert in der Zeit, in der ihr das macht?
TRH: Ich schätze, sie haben sich verändert und sind die selben geblieben—ich liebe immer noch Fotos von bösen Kids, die Spass haben. Ich denke, nachdem wir uns buchstäblich Zehntausende eingesandter Fotos durchgesehen haben, ist es ein bisschen einfacher, durchzuwaten und das tolle Zeug unter dem wirklich, wirklich Schlechten, den Klischees, den Internetfotografen und dem digitalen Spiegelreflexmist zu entdecken.
DK: Oh, ja, das stimmt. Ich hab keine Lust mehr auf technisch perfekte oder wunderschöne Fotos. Das stimmt nicht ganz. Nun ja, es ist schwer zu erklären. Es ist einfach, eine schöne Person schön zu fotografieren. Davon versuche ich wegzukommen. Das ist wie beim Spielen zu schummeln.
Ja, bei Fotografie zu schummeln, ist ziemlich faul. Dimitri, es gibt dieses Foto von dir, auf dem du das Fashion Punks Fuck Off-T-Shirt trägst. Um was geht es da?
DK: Haha, ich habe für Freunde eine Menge Shirts und Aufnäher in kleiner Auflage gemacht, Shirts, die ich tragen und von denen ich ein paar weggeben wollte. Den Spruch „Fashion Punks Fuck Off" liebe ich. Über dieses ganze neuartige Punkzeug muss ich immer lachen, genau wie über verdammte Bondagehosen für 300$. Echte Punks lesen Bücher und stinken.
Die Blood Of The Young Shirts sind auch cool. Was ist das mit den ganzen The Simpsons-Charakteren?
DK: Wir stehen total auf die Bootleg-Shirts mit dem schwarzen Bart aus den frühen 90ern. Einfache, einfarbige Designs sprechen mich sehr an. Ich zeichne Bart, seit ich mich erinnern kann und die Leute scheinen es zu mögen.
TRH: Ja, ich hatte schon immer was für schlechte Flohmarkt-Bootlegs und handgemachte Sachen übrig. Wir beide lieben The Simpsons und die Geschichte von den raubkopierten Barts, also wollte ich auch eins für uns machen. Wir haben eine Reihe El Barto-T-Shirts gemacht und nachdem wir alle verkauft hatten, bekamen wir eine Anfrage für Hans Maulwurf. Vielleicht sollte ich noch eins zeichnen, mal sehen. Wir haben irgendwie gehofft, eine Unterlassungsanordnung von Matt Groening zu bekommen, aber bisher können wir machen, was wir wollen.

Es sieht auch so aus, als würdet ihr euch recht häufig ausziehen. Was für Klamotten tragen die Leute momentan in Toronto, wenn sie überhaupt welche tragen?
DK: Ich weiß nicht wirklich, was die Leute tragen. Ich sehe jeden Tag Spitze und denke immer noch, dass es bescheuert ist. Spitze und Fell überall! Ich sehe viele Typen, die immer noch American Apparel-V-Ausschnitte tragen, was mich auch total runterzieht. Wir haben uns hier in Toronto seit 2005 nicht weiterentwickelt.
TRH: Ich trage den selben Hoodie seit bestimmt drei Jahren, also weiß ich auch nicht wirklich, was die Leute tragen. Aber Spitze sehe ich auch sehr viel, was ein wenig verwunderlich ist. Der zusätzliche Rahmen an deinen Brüsten macht mir nicht aus, aber warum wird hier jeder zum Goth? Es ist wie 2005, nur kälter und noch melancholischer. Ich kann es trotzdem kaum erwarten, bis Kropfbänder wieder in sind. Sportler kleiden sich immernoch wie Sportler. Das wird sich nie ändern.
Gibt es in Toronto irgendwelche eigenartigen Subkulturen oder Modestämme? Außer, dass es immer mehr Goths gibt, natürlich.
TRH: Ja, google „Boss Fyte“. Das ist diese IDM-Band. Einer trägt eine dieser Anonymus-Masken und der andere sieht wie ein Steampunk aus—die Jugendlichen in der Szene ziehen sich in etwa so an. Es gibt auch viele junge Männer, zwischen 17 und 24, die so tun, als wären sie ein Teil der Ralph Lauren-Pologang der letzten 25 Jahre.
DK: Eine Menge erwachsener Szeneleute. Zu viele. „Wir kapieren es, Kumpel—du hast einen Eyeliner und eine Schlüsselkette. Fantastisch.“
TRH: Sehr fantastisch.
Fantastisch. Hey Reilly, warum hast du dich entschieden, No Fun Press zu gründen?
TRH: Hm, vor ein paar Monaten habe ich von der Regierung ein Stipendium zur Existenzgründung bekommen. Ich entschied, das zu nehmen, was ich bei Blood Of The Young die letzten zwei einhalb Jahre gelernt hatte und eröffnete einen kleinen Verlag. Ich wollte mehr mit Print arbeiten, wo ich dann ein wenig mehr persönliche Kontrolle habe und ein bisschen das Design hinter den Kulissen machen kann, und Drucken und Geschäftszeug.

T-Shirt von No Fun Press.
Und was veröffentlichst du so?
TRH: Na ja, No Fun Press ist ein unabhängiger Verlag, was bedeutet, dass wir Künstlermagazine, Drucke und Shirts in limitierter Auflage herausbringen. Ich entwerfe und drucke die T-Shirts selber per Hand, eins nach dem anderen. Ich mache T-Shirt-Designs für befreundete Bands und Sachen in der Art, seit ich ein Teenager war.
Gibt es irgendwelche angesehen T-Shirt Designer oder Künster, die dich bei der Herstellung deiner eigenen Sachen inspirieren?
TRH: Ich denke nicht, dass es irgendetwas oder irgendjemand besonderes war. Ich bin mit Skateboard-Grafiken und Hardcore-Plattencovern aufgewachsen, ich schätze, daher kommt eine Menge meines ästhetischen Empfindens.
Cool. Wie geht es weiter mit No Fun Press?
TRH: Der Plan ist ,weiter mit tollen Künstlern und Designer zusammenzuarbeiten und hochqualitative handgemachte Auflagen herzustellen. Bis jetzt war die allgemeine Regel, nur Dinge zu machen, die ich auch tatsächlich selber tragen oder in mein Haus hängen würde, und das hat bisher gut geklappt, schätze ich.
Und als letztes, was werdet ihr Beiden als nächstes tun? Ihr macht Zines, T-Shirts und Drucke, wie wollt ihr daran anknüpfen?
DK: Wir planen unsere Geschäftsübernahme. Es wird einige Zeit dauern, aber wir haben uns entschieden, einfach ein Kartell aufzubauen und alles zu übernehmen. Wir haben einen verdammten Ehrgeiz!
TRH: Ha ha. Es geht darum, dein Spiel zu verbessern. Wir arbeiten hart an einem Haufen neuer Projekte, die herauskommen werden, wenn unsere neue Seite gestartet wird und wir wollen ein paar Kollaborationen mit Marken, von denen ich aber noch nicht so viel verraten will. Wir haben auch gerade einer Ausstellung für den 11. November in der Forgetus Collective Galerie zugesagt.
JAMIE CLIFTON








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