Girls Who Are Boys Who Like Boys Dressed Like Girls

Veröffentlicht am 15 / 4 / 11

Interview Kazuyuki Matsushita

Fotos Patrick Tsai, Kodama Nobuyuki

Wenn du mal in Akihabara gewesen bist, der Gegend in Chiyoda, Tokio, wo es Elektronik und Anime-Sammlerstücke wie Sand am Meer gibt, ist die Chance groß, dass du mit süßen Mädchen, die Manga-Masken auf den Köpfen tragen, zusammengestoßen bist – oder wie sie sich selbst nennen: „Animegaos“. Ihr Look ist inspiriert von den Magical Girls, die immer wieder kämpfen müßen, um die Welt zu schützen, so wie in Sailor Moon, und neben Porzellan- und Fiberglasmasken besteht ihr Kostüm aus hautfarbenen Bodysuits, die Zentai genannt werden und maßgeschneiderten, charakterentsprechenden Dienstmädchen-Outfits.  Haben wir erwähnt, dass 90 Prozent von ihnen Transvestiten sind, dürre Typen in ihren 20ern und 30ern, die bis zu 2.000 Dollar für Kostüme ausgeben, um ihre schönen Mädchenfantasien auszuleben?

Neulich schwärmten wir zum Wonder-Festival 2011 aus, dem größten Event der Erde für Garage Kits – Skulpturen von Animes und Spielcharakteren – mit der Absicht, nach diesem neuen Trend in Japans Cosplay-Szene Ausschau zu halten. Die Halle war überfüllt mit Animegaos, alle in einzigartigem Syle, und die Otakus– das ist japanisch für Computerbesessene-nerdige-Typen-die-Videogames-und-Animes-lieben – kamen zusammen, um Fotos zu machen und jedes Mal „Woooah“ zu rufen, wenn ein Animegao eine besondere Pose einnahm. Es war ziemlich seltsam zu realisieren, dass sie da tatsächlich auf Jungs stehen, aber dann fanden wir heraus, dass viele Otakus so angeekelt von echten Mädchen sind, dass nur diese „2D-Girls“ – ähnlich wie die, mit denen sie in ihren Videospielen interagieren –  sie anmachen können. Diese sexuelle Vorliebe ist in der Tat so gängig, dass einige Animegaos ihr Magical-Girl-Transvestiten-Hobby in ein blühendes Geschäft umgewandelt haben. Sie berechnen den Otakus mickrige ¥10.000 – ungefähr $83 – für eine einstündige Fotosession. Zusätzliche Kosten fallen für Kostümwechsel an, und die Rechnung erhöht sich weiterhin, wenn der Otaku will, dass sie sein eigenes Kostüm trägt.

Es gibt sogar Animegao-Pornos. Eine der fundamentalen Regeln der Animegaos ist, dass es ihnen nicht gestattet ist zu sprechen – wahrscheinlich, weil man hören könnten, dass es Männer sind, und das würde die Fantasie ruinieren. Folglich können wir nur mittels Zetteln oder Handy-Nachrichten mit ihnen kommunizieren. Glücklicherweise trafen wir auch Mr. Kodama, ein Animegao-Girl, der sein Kostüm ablegte, um seine minutiös handgefertigten Maske zu verkaufen.

Vice: Hallo Mr. Kodama! Wie oft verkleiden Sie sich als Animegao?                                                                                                                                Kodama Nobuyuki:Mehrere Male im Jahr, auch wenn ich mich hauptsächlich auf die Produktionsseite konzentriere. Ich arbeite für einen Hersteller von lebensgroßen Puppen und Masken.

Wie sind Sie dazu gekommen?

Ich habe 2002 eine lebensgroße Magical-Girl-Figur gebaut, die unter Hardcore-Fans für ihre makellose Schönheit berühmt wurde. Damals wussten nur eine Handvoll Designer, wie man sie anspruchsvoll und süß gestalten kann, und von allen Seiten hieß es, es sei unmöglich perfekte Schönheit zu erlangen. Bis 2005 wusste ich nicht mal, was Animegao überhaupt ist, als ein Mitglieder der „Nuko-Pan!“-Kigurumi (verkleidete Künstler) zu mir kam und fragte, ob ich eine Maske bauen könnte. Ich sagte, „Sicher, ich werde etwas Fantastisches machen, und ich will mich auch selbst verkleiden!“ Dann entwickelte ich meine Original-Animegao-Maske: die Nuko-Men Version 1.

Was weißt du über die kulturellen Ursprünge der Animegaos?                                                                                                                                         Amateure begannen sich in den frühen 90ern als „BishoĚ„jo Kigurumi“ zu verkleiden. Das bedeutet „Performance eines schönen Mädchens“. Kigurumi existierte zu jener Zeit bereits in Ultraman Shows und in Filmen mit Spezialeffekten wie Kamen Rider. Heutige Animegaos verkleiden sich als spannende Animefiguren oder kreieren ihr eigenes originelles Kostüm, das ihr anders Selbst ausdrückt.

Was sind die grundlegenden Dinge die Animegaos beachten müssen?

Du darfst nicht sprechen; du musst ein „Zentai“-Outfit tragen, das deinen gesamten Körper bedeckt, sowie eine Maske und Perücke, damit niemand deinen Kopf sieht. Es ist auch sehr wichtig, niemals die Träume der Kinder zu zerstören, besonders wenn du Magical Girl-Charaktere darstellst, wie Sailor Moon oder PreCure. Du musst größte Aufmerksamkeit an den Tag legen, um nicht deren öffentliches Image zu zerstören. Also kein Durch-die-Gegend-Vögeln oder sonstiges unangebrachtes Verhalten. Niemand darf Zeuge des Verwandlungsprozesses werden, und du darfst niemals ohne Maske rumlaufen, wenn du noch dein Kostüm trägst.

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