GARETH PUGH

Veröffentlicht am 16 / 3 / 11

Fotos Matthew Stone

Interview Daryoush Haj-Najafi

2005 lebte Gareth Pugh in einem besetzten Haus in London als sich alle wichtigen Modemagazinen in England wie ein in Fred Perry gekleideter Tumor an ihn hefteten. Frisch aus der Modeschule wurde er bald zur Wichsvorlage für sämtliche Style-Seiten und zum Repräsentant des übermütigen Designs, nach dem die englische Mode verlangt. Es war alles gerechtfertigt.

In Gareth's ersten Shows gab es aufblasbare Outfits und lichtdurchflutete Kleidung. Jeder Anwesende über 30 honorierte das mit zurückhaltend lobpreisendem Getuschel — dass es ja alles recht gut und witzig und anders war aber total abgehoben und unreif. Anwesende unter 25 hingegen applaudierten den Models und den Klamotten auf dem Laufsteg als hätte endlich jemand die Mode für das 21. Jahrhundert neu erfunden und uns alle vor dem ständigen Wiederkäuen vergangener Trends und Epochen gerettet.

Sechs Jahre später sind Modeseiten regelrecht überflutet mit Bildern von androgynen Jugendlichen ganz in schwarz die genau aussehen wie Pugh. Seine Kollektionen erreichen die Art von Aufmerksamkeit, die sonst der vielgepriesenen und etwas angestaubten Riege vorbehalten ist. Er zeigt jährlich in Paris und New York und hängt mit den nobelsten Persönlichkeiten der Modeszene wie Karl Lagerfeld oder Mario Testino ab. Da wir ihn aber schon eine Weile kennen, konnten wir ihn davon überzeugen, sich für das folgende Gespräch ein paar Minütchen Zeit zu nehmen.

Vice: Ich höre die Leute ständig sagen, wie abgedreht du bist.
Gareth Pugh: Ach wirklich?

Wirklich. Der Künstler Matthew Stone meint, dass die Leute nicht verstehen, dass du selbst deinen Lifestyle und deine Arbeit nicht als abgedreht verstehst, weil du einfach aufrichtig abgedreht bist.
Darüber denke ich gar nicht nach. Wenn ich das täte, würde ich viel zu viel Zeit verschwenden, in der ich nicht produktiv bin. PJ Harvey hat kürzlich im Fernsehen etwas ähnliches gesagt — es hat nicht weniger als zwei Jahre gedauert, bis sie die Songs die sie geschrieben hat, selbst verstand. Was ich mache, geht über das reine Kleidung produzieren hinaus. Es ist das Kanalisieren von was auch immer in mir ist und gerade am lautesten schreit. Ich würde es aber nicht therapeutisch nennen, dafür ist es zu unbewusst.

Dafür ist es sehr effektiv. Du hattest auch harte Zeiten, in denen du dich behaupten und durchsetzen musstest, oder?
Stimmt, meine Eltern haben es jahrelang nicht begriffen. Sie verstanden nicht, was ich da in London mache, warum ich keinen Job habe, alles unbezahlt mache und so viel feiern gehe. Aber wenn ich das alles nicht getan hätte, wäre ich heute nicht hier.

Hast du viel Zeit damit verbracht, dir Gedanken zu machen, ob es funktioniert oder nicht?
Nein, ich war einfach nur froh, das zu machen. Ich habe mir keine Sorgen gemacht, was als nächstes kommt. Es gab vor ein paar Jahren eine Situation, in der ich kurz vor einer Show so gerade genug Geld hatte, mein Team nach Paris kommen zu lassen. Aber ich glaube, es ist wie bei den Anonymen Alkoholikern: Nimm jeden Tag, wie er kommt.

Wie lange hat es gedauert, bis du etwas verkaufen konntest?
Wir haben aus den Poodle oder Gimp Shows gar nichts verkauft — nichts bis zur vierten oder fünften Show. Meine erste war eine richtige Last Minute-Angelegenheit. Ich habe ausschließlich an die Show gedacht und nicht daran, etwas davon zu verkaufen. Aber wenn du erstmal angefangen hast, Shows zu machen, bist du im Hamsterrad drin und musst weitermachen.

Ist es das, woran du gerade denkst?
Momentan bin ich ein bisschen in der Zwickmühle. Die Leute erwarten eine atemberaubende Show, aber um das in Paris zu erreichen, muss man davor sehr viele Stücke verkaufen, was unter Umständen bedeutet, dass meine Kleidung am Ende doch auf Bügeln hängen muss.

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