Jean-Charles de Castelbajac
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In den frühen 70ern hat der Mix von religiösen Slogans und Sex in den Anzeigen von ihm und seinem Fotografen Oliviero Toscanini für Jesus Jeans für Entrüstung im Vatikan gesorgt. In den 80ern hat Castelbajac das italienische Label Iceberg zu einem potmodernistischen, Pop Art Modehaus gemacht und umgedeutete Snoopy, Daffy Duck und Felix the Cat an britische Hooligans verkauft. In den 90ern hat er Kleider aus Teddybären gemacht und hat eine Versammlung aller Kardinäle der ganzen Welt und den Papst in etwas eingekleidet dass wie eine Kombination hunderter Schwulenflaggen aussah. In letzte Zeit sind die Jünger des Marquis, Bernhard Willhelm, Cassette Playa und Jeremy Scott unglaublich erfolgreich geworden und haben damit Castelbajac wieder sehr wichtig gemacht. Mit seinem neuen und billigeren aber unverfälschten JCDC Label können sich seine „absurden“ Kleider viel mehr Leute leisten, die lieber witzige Outfits haben.

Als ich mich mit Castelbajac in seinem neon- und tarnfarbenen Pariser Laden getroffen habe, hatte er Momente zuvor zugestimmt der neue Creative Director einer Feuerwerksfirma zu werden und er war gerade dabei die Outfits für Lady Gaga und Béyonces Telephone Video zu verschicken.
Vice: Du bist bekanntlich ein Marquis und du bist nicht schwul, warum also Mode?
Jean Charles de Castelbajac: Mein Vater hat für den König von Marokko Klavier gespielt und meine Familie hatte ihr gesamtes Geld verloren. Wenn du Jahre in einem Militärinternat verbracht hast, willst du nichts mehr als Mädchen treffen. Ich versuchte in einer Band namens Kaos zu singen und ich habe versucht zu schauspielern und habe in ein paar Filmen mitgemacht, aber mir hat die ganze Warterei nicht gefallen. Ich hatte Angst ein Kleinstadt Kunstschul-Flaneur zu werden. Meine Mutter hat mich gebeten etwas zu designen und deshalb habe ich meine alte Schuldecke in eine ernste Jacke umgeändert, die schließlich von John Lennon getragen wurde. Das war mein erstes Manifest. Ich mochte wirklich die Zurückhaltung dieser Decke.
Du hast 1968 mit 18 in Paris gelebt. Hat die Politik diene Arbeit beeinflusst?
Ich war 1968 nicht sehr trendy; ich habe royalistische Fanzines verkauft, als sich alle für Mao interessiert haben. Aber dann bin ich eines Tages auf der Straße mit meinem Onkel zusammengestoßen, einem echten Sozialisten. Er hat mir das Fanzine aus der Hand gerissen mir ins Gesicht geschlagen und geschrien, „Wie kannst du dir das nur erlauben?“ Er hat mich mit zur Sorbonne genommen um mit mir die Studentenproteste anzusehen und die Mädchen haben da sehr viel besser ausgesehen. Das war das erste Mal, dass man in Paris eine große Menge an Leuten gesehen hat die Jeans und Parkas getragen haben. Ich konnte Paris danach nicht mehr verlassen.

Du hast mal gesagt, dass die Leute sich an ihr inneres Kind halten sollen. Diese Jesus Jeans sprechen mein inneres Kind an.
Ich war ein Teenager als mir diese Idee gekommen ist. Mein Chef war ein Visionär. Er hat mich eingestellt, als ich noch gar nix wusste. Und er wollte etwas Neues machen. Wir waren in seinem Lamborghini und er fuhr schneller und schneller, er versuchte mich zu erschrecken—es gab damals noch keine Tempobeschränkungen—er sagt: „Jean Charles wir müssen einen Weg finden schnell viel Geld zu machen – nur wie?“Ich wusste, dass mir etwas Gutes einfallen müsste. Ich sagte: „Wir müssen Jeans machen—sie werden ein riesengroßer Erfolg werden und niemand macht Jeans in Italien.“ Zuerst hat er meine Idee aus Prinzip gehasst, aber dann habe ich gesagt „Es muss Jesus sein, weil es der bekannteste Name der Welt ist.“ Oliviero Toscani und ich haben eine gigantische Kampagne gemacht, die nur aus den Hintern von Mädchen bestand, die die kleinsten vorstellbaren Denim Shorts anhatten auf denen Slogans standen wie „Derjenige der mich liebt, folgt mir.“

Es war einfach die Gesellschaft mit deinen Stoffen anzugreifen als alte Leute noch Angst vor Sex und Mode hatten, aber können Kleider außerhalb von Saudi Arabien noch kontrovers sein?
Gute Frage. In Frankreich bin ich ein UFO, ich bin immer noch kontrovers, sie denken, dass ich dumm wieder cool mache, sie nennen es ridi-cool. Wie schrecklich ist das? Performance ist die neue Mode und das kann immer noch kontrovers sein. Im letzten Jahr gab es eine echte Verschiebung vom roten Teppich in die Realität. Mode ist nicht mehr nur Pose, sondern auch Performance. Es ist sehr aufregend. Bei Mode geht es darum, was man jetzt machen kann und die Performance, die man bei der Show machen kann. Das ist revolutionär, die Shows heute müssen einen Duft haben, genauso wie einen Sound, es ist wie eine Installation. Mode braucht Rebellen. Ich glaube, dass viele der großen Modeinstitutionen sehr versessen darauf sind ein aufregendes Image von sich selbst zu projizieren, sie wollen Leute mit einer weltweiten großen Vision. Das, was meine Freunde Oliviero Toscani und Jean Paul Goude und ich mit den Marken in den 80ern gemacht haben. Es ist wie bei Koudlams Musik, die so anti-kommerziell aber so kraftvoll ist, dass sie zum neuen Kommerz wird.
Was macht Mode gut?
Ich würde sagen Konzept. Ich kann Kleider, Kunst oder Design nicht ohne Konzept machen. Mode ist ein fantastisches Medium um Geschichten zu erzählen, in denen alle gesellschaftlichen Elemente zusammen kommen. Es ist ein Knotenpunkt für soviele Dinge. Garreth Pugh ist brillant, er hat tatsächlich sein eigenes Universum in seiner eigenen Welt geschaffen. Als Beyonce Gareth Pug getragen hat um sich selbst neu zu erfinden war ich sehr beeindruckt, wie viele andere Künstler hätten das gekonnt. Diese Demut sich selbst zu erfinden ist wirklich wichtig.
Du hast auch angefangen Kunst zu machen?
Mit meiner Triumph of the Sign Ausstellung wurde ein Künstler und ein Modedesigner geboren und ich habe mich nicht mehr ganz so schizophren gefühlt. Ich habe ein Atelier in China wo sie die alten Meister von Bronzino bis Manet reproduzieren und dann das rote Kreuz, Nike und Gucci Symbole drauf malen. Kanye hat drei gekauft. In der Mode und jetzt in der Kunst war ich immer davon fasziniert Sachen die nicht zusammen passen zusammen zu stellen, das Monströse und das empörende sind schön.
Wie entgehst du dem Druck des Geschäfts, das dich dazu zwingen will ernst zu werden und in den traditionellen Luxusmarkt zu wechseln.
Ich wollte schon immer Sachen machen Sachen machen, die sozial gefährlich sind und die Mode hat mir das erlaubt und ich konnte gleichzeitig arbeiten. Ich habe ein merkwürdiges Helden Pantheon für einen Modedesigner. Jimmy Page war mein absolutes Idol und er hat Heroin genommen und ich mache, was meine Helden machen. Aber ich konnte mich nicht in dieses ganze Heroinding reinziehen lassen, weil ich wusste, dass ich arbeiten musste, wenn ich revolutionäre Mode machen wollte. Mode ist mein Sicherheitsgurt. Deshalb liebe ich sie auch so sehr, am arbeitet konstant und du hast Deadlines die du nicht verpassen darfst. Freunde von mir, die mit Drogen angefangen haben, konnten die Deadlines irgendwann nicht mehr einhalten und sind gestorben. Heute ist Mode ein großes Geschäft geworden. Als Claude Montana, Thierry Mugler und ich erfolgreich wurden, waren wir total aufgeregt, wenn wir mit der Concorde nach Rio geflogen sind oder uns eine Riesenmasse von schreienden Mädchen in Tokio empfangen hat. Wir dachten wir wären die Rolling Stones. Wir haben unser gesamtes Geld in die Shows investiert. Ich hatte Grace Jones als Sängerin. Es war eine total verrückte und aufregende Zeit, aber wir haben nicht übers Geschäft nachgedacht, das ist der Grund warum so viele Labels nicht überlebt haben.

Bedeutet Mode, dass du Gefahr und Struktur mischen kannst?
Risiko ist ein großer Faktor in meinem kreativen Leben. Als ich1972 zum ersten Mal Malcom McLarens Laden Too Fast To Live, To Young To Die sah, hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, dass ich einen Waffenbruder gefunden habe. Mode ist für mich ein Manifest. Es geht darum Fragen zu stellen, Tragbarkeit ist mir egal, ich sehe Mode als eine Art Krieg.
Zu sehen wie deine Iceberg Sweatshirts zu einer Art Uniform der britischen Arbeiterklasse wurden, muss großartig gewesen sein.
Ja, und als ich die Slew Dem Crew getroffen habe musste ich fast weinen, weil sie meine Arbeit so gut kannten. Ich erzähle den Leuten auch immer davon, wie ich Dizzee Rascal getroffen habe und er sich an Details meiner Iceberg Sweater erinnern konnte.
Alle reden von Punk und amazonischem 80ern Power Dressing, aber man vergisst Designer wie Moschino und du haben dieses ganze Post-Punk, Pop Art, Jetfighter Hüte und Slogans Ding gemacht.
Wenn ich an meine Generation denke – Fiorucci, Moschino und sogar irgendwie Thierry Mugler—dann hat sie versucht es mit Mode zu machen. Leute wie Enrico Covere und Versace waren sehr helle aufgehende Stars. Die Popart und die Mode mit der ich mich identifiziert habe, war eine Verbindung zu einem wunderschönen Fenster glänzender Freude. Was die Leute aber vergessen ist, dass diese hellen und farbenfrohen Iceberg Sweater, die ich designt habe mit sehr düsterer elektronischer Musik verbunden war.
Wie hast du die Kardinäle dazu gebracht am Weltjugendtag diese schwulen regenbogenfarbenen Sutanen anzuziehen?
Monsignore Lustiger, ein Kardinal der Papst Johannes Paul II. sehr nahe stand, hat mich darum gebeten mir was einfallen zu lassen und wir haben uns auf den Regenbogen geeinigt, weil er ein Symbol für das Friedensversprechen Gottes an Noah ist. Als ich ihm sagte, dass der Regenbogen auch die Schwulenflagge ist, sagte er, dass niemand ein Patent auf Regenbögen habe.
Bedeutet es, dass du dazu verdammt bist für immer ein großes Kind zu sein, wenn du Mode magst?
Nein, ich will überhaupt kein Kind sein. Es gibt dieses Buch aus dem 16. Jahrhundert, zu dem ich mich sehr hingezogen fühle, es heißt Die Kurtisane von Balthazar Castellon. Sein Spretzzrpura Konzept legt Wert auf Großzügigkeit und sieht die Förderung der Talente anderer als großartige Stärke. Ich liebe die Idee. Machiavelli hat Der Fürst etwa zur gleichen Zeit geschrieben, aber dabei ging es um Hinterhältigkeit und darum mehr Macht zu bekommen und für Castellon ging es darum mit dem Maler Raffael befreundet zu sein. Jemandem den Weg zu zeigen ist eine sehr attraktive aristokratische Tugend und es macht Spaß. Viele meiner Freunde sind zwischen 14 und 30. Eine Verbindung zum heutigen Sound ist fundamental wichtig für mich und das wird bis zu meinem letzten Atemzug so bleiben. Koudlams dunkler und apokalyptischer Elektro bedeutet für mich genauso viel wie die Yardbirds.
Die ganze Mode und die Musik scheinen mir eher britisch als französisch zu sein.
Jeder jagt heute der Authentizität hinterher, jedes Label sucht eine Band oder ein Künstler um mit ihnen zu arbeiten. Es reicht nicht, eine große Firma zu sein, ein Modelabel ohne Freund ist kein Erfolg. Heute geht es darum elektrische Gitarren in Schaufenster zu stellen oder deine Verkaufsfläche soll von Murakami designt sein. Aber ich habe Mode schon immer durch Musik gesehen.

Äh, ich weiß nicht genau wie es sagen soll, aber diese Kunst/Mode Schizophrenie macht dich interessant. Bitte verlier das nicht.
Das werde ich nicht. Warte nur bis zur nächsten Show, sie wird Pow!
Aber warum hast du eine Modenschau mit Lego gemacht?
Die Art wie sich Legosteine miteinander verbinden, ist eine großartige Metapher für soziale Netzwerke. Wir haben Lego die Idee vorgeschlagen und es war nicht anders herum und die Lego Anna Wintour war absurd. Das nächste Projekt ist die Eröffnung eines Pop-Up Ladens im Keller des Londoner Kaufhauses Selfridges der An Encounter Of The 5th Kind heißen wird. Eine Begegnung der fünften Art ist, wenn du ein Kind mit einem Alien hast. Es ist irgendwie antirassistisch.
Die Antwort habe ich nicht erwartet.
Wenn das Erbe von Modehäusern keine große Sache für dich ist, was ist es dann? Ich denke nie über die Franzosen nach, ich denke nur über Leute nach. Als ich Mode mit Keith Haring gemacht habe, haben die Leute gelacht und jetzt muss jeder Designer mit einem Künstler oder einer Band zusammen arbeiten. Die Franzosen denken, dass Humor fast schon vulgär ist aber nur sehr schlaue Leute können Humor benutzen, es ist wirklich eine sehr, sehr schwere Waffe.

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